Britische Remote Gaming Duty: Juli-Einnahmen nach Steuererhöhung mehr als verdoppelt

Christoph Horvath
Zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2026, 17:14
  • Branchen-News

Die britische Steuerbehörde HMRC hat am 30. September 2026 neue Zahlen zu den Glücksspielabgaben veröffentlicht, die erstmals die Wirkung der höheren Remote Gaming Duty zeigen. Diese Steuer auf Gewinne aus Online-Casinospielen mit Personen im Vereinigten Königreich stieg mit 1. April 2026 von 21 auf 40 Prozent.

Laut den vom Fachportal NEXT.io ausgewerteten vorläufigen HMRC-Daten erhöhten sich die Einnahmen aus dieser Abgabe im Juli im Jahresvergleich um mehr als 108 Prozent, von 283 Millionen Pfund auf knapp 590 Millionen Pfund. Für April bis Juli meldete HMRC Glücksspielsteuern von insgesamt 1.933 Millionen Pfund.

Britische Online-Glücksspielsteuer: Einnahmen nach Steuererhöhung im Jahresvergleich mehr als verdoppelt

Warum erst der Juli den Sprung zeigt

Dass der Anstieg erst in den Juli-Zahlen sichtbar wird, hat mit der Art der Abrechnung zu tun. Die Remote Gaming Duty wird laut HMRC standardmäßig quartalsweise abgerechnet, die Zahlung ist innerhalb eines Monats nach Ende des Abrechnungszeitraums fällig.

Die Eingänge von April bis Juni betreffen daher großteils noch Zeiträume vor der Erhöhung. In diesem Quartal nahm HMRC vorläufig 376 Millionen Pfund an Remote Gaming Duty ein, um 67 Millionen Pfund oder 22 Prozent mehr als ein Jahr davor. Die Behörde hielt selbst fest, dass der höhere Satz voraussichtlich ab Juli 2026 zu höheren Einnahmen beigetragen hat.

Der Juli ist damit der erste Monat, der den neuen Satz abbildet.

Über den gesamten Zeitraum April bis Juli lagen die Glücksspielsteuern um 309 Millionen Pfund oder 19 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Genau 50,0 Prozent dieser Summe stammten aus der Remote Gaming Duty, die General Betting Duty auf Wetten mit festen Quoten folgte mit 16,6 Prozent an zweiter Stelle. Die Wettsteuer entwickelte sich allerdings gegenläufig: Im Quartal April bis Juni sank sie um 27 Millionen Pfund oder 14 Prozent auf 161 Millionen Pfund. Bei der Machine Games Duty für Spielautomaten im stationären Bereich kam der Juli laut NEXT.io auf knapp 105 Millionen Pfund, nach 108 Millionen Pfund ein Jahr zuvor.

Branche warnt vor voreiligen Schlüssen

Ob die Rechnung des Finanzministeriums dauerhaft aufgeht, beantworten die vorliegenden Daten nicht. Der Steuerverantwortliche eines britischen Online-Anbieters zeigte sich gegenüber NEXT.io wenig überrascht: Im ersten Quartal unter dem neuen Satz sei ein Plus zu erwarten gewesen, weil sich der Markt erst auf die neue Lage einstelle. Für eine belastbare Bewertung brauche es seiner Ansicht nach 12 bis 18 Monate an Daten nach der Erhöhung.

Ähnlich argumentiert das Beratungsunternehmen Regulus Partners. In einer Notiz vom August hielt es fest, dass die Anbieter die Mehrkosten vorerst nicht an die Kundschaft weitergegeben, sondern an anderer Stelle gespart hätten. Für 2027 bleibt Regulus bei seiner Erwartung eines Rückgangs im Gaming-Bereich um 12 Prozent, räumt aber ein, dass es dafür noch keine Daten gibt.

Der Branchenverband Betting and Gaming Council legt eine andere Messlatte an.

Ein Sprecher erklärte, der eigentliche Test dieser Steuererhöhungen sei ihre Wirkung auf Beschäftigung und Investitionen im regulierten Sektor. Nach Darstellung des Verbands werden seit dem Budget vom Vorjahr bis Ende 2026 mehr als 600 Wettbüros geschlossen und über 10.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sein.

Für Leserinnen und Leser in Österreich ist ein Punkt zur Einordnung wichtig: Die Remote Gaming Duty knüpft an den Wohnsitz der Spielenden im Vereinigten Königreich an, nicht an den Sitz des Anbieters. Die britischen Zahlen sagen daher nichts über die Rechtslage nach dem österreichischen Glücksspielgesetz aus.

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