Werbeverzicht im Online-Casino

Sabrina Ebner-Kovačević
Zuletzt aktualisiert am 29. Juli 2026, 12:43
  • Boni
  • Sicherheit

Ein Werbeverzicht ist Ihre Erklärung gegenüber einem Glücksspielanbieter, dass er Ihnen keine Werbung mehr schicken darf – also keine Newsletter, Bonusangebote per SMS, Push-Nachrichten oder Anrufe zu Aktionen. Rechtlich steckt dahinter meist der Widerruf einer Einwilligung oder ein Widerspruch gegen Direktwerbung nach Art. 21 DSGVO, der Datenschutz-Grundverordnung. Das Spielkonto bleibt dabei offen, Sie können weiter einzahlen und spielen. Genau darin liegt der Unterschied zur Spielsperre, mit der der Begriff am häufigsten verwechselt wird.

Werbeverzicht

Was ein Werbeverzicht rechtlich bedeutet

Für Leserinnen und Leser in Österreich greifen zwei Regelwerke ineinander. Das Telekommunikationsgesetz 2021 verlangt in § 174 für Werbung per E-Mail und SMS grundsätzlich eine vorherige Einwilligung des Empfängers.

Eine Ausnahme gilt für bestehende Kundenbeziehungen, wenn der Anbieter für eigene ähnliche Produkte wirbt und Sie die Nutzung Ihrer Adresse bei jeder Nachricht kostenfrei ablehnen können. Wer ein Casinokonto eröffnet hat, ist so ein Bestandskunde. Deshalb erreicht Sie Werbung oft auch dann, wenn Sie bei der Registrierung kein Häkchen bewusst gesetzt haben.

Die DSGVO ergänzt das Bild: Gegen Direktwerbung können Sie jederzeit und unentgeltlich widersprechen, ohne Gründe zu nennen, und eine Interessenabwägung findet dabei nicht statt.

Sobald der Widerspruch oder Widerruf beim Anbieter eingegangen ist, darf er Ihre Daten nicht mehr für Werbung verwenden. Wer mehr möchte als den Verzicht bei einem einzelnen Anbieter, kann seine E-Mail-Adresse kostenlos in die ECG-Liste der RTR eintragen, die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH führt sie nach § 7 E-Commerce-Gesetz. Diese Liste wirkt allerdings nur gegen unaufgeforderte Werbe-E-Mails und hebt eine Einwilligung, die Sie einem Casino bereits gegeben haben, nicht von selbst auf.

Wo Sie den Werbeverzicht im Konto finden

Meist begegnet Ihnen der Werbeverzicht an drei Stellen im Ablauf, nicht als eigener Menüpunkt mit diesem Namen. Bei der Registrierung stehen die Einwilligungen für E-Mail, SMS und Telefon oft als getrennte Kästchen da. Später finden Sie dieselben Schalter im Kontobereich, häufig unter Datenschutz, Kommunikation oder Benachrichtigungen.

Die dritte Stelle ist der Abmeldelink am Ende jeder Werbe-E-Mail, den das Gesetz bei Bestandskundenwerbung vorschreibt.

Wie fein sich das trennen lässt, regelt jeder Anbieter selbst. Manche Casinos verknüpfen den Werbeverzicht mit dem Ausschluss von Bonusaktionen, andere schicken weiterhin Mitteilungen, die sie als Service und nicht als Werbung einstufen. Was ich als Erstes prüfe, ist deshalb der Wortlaut in den AGB und der Datenschutzerklärung: Dort steht, welche Kanäle ein Widerruf tatsächlich abdeckt.

Wo der Schutz versagt

Ein Werbeverzicht stoppt persönlich adressierte Nachrichten, mehr nicht. Banner in der Casino-Lobby, Bonushinweise nach dem Login und Werbung von Vergleichsseiten erreichen Sie weiterhin. Ob der Verzicht bei Schwestermarken desselben Betreibers mitgilt, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich geregelt, und darauf sollten Sie sich ohne schriftliche Bestätigung nicht verlassen.

Werbeverzicht und Spielsperre im Vergleich

Beide Werkzeuge werden oft in einem Atemzug genannt, schützen aber vor völlig verschiedenen Dingen. Die Gegenüberstellung zeigt, was jedes davon leistet und welches in der jeweiligen Lage das passendere ist.

Werbeverzicht

Spielsperre

Stoppt Newsletter, SMS und BonusmailsSperrt den Zugang zum Spielkonto
Jederzeit widerrufbar, ohne WartezeitDauer und Aufhebung laut Anbieterbedingungen
Einzahlen und Spielen bleiben möglichKein Spiel während der Sperrdauer
Gilt beim Anbieter, der ihn erhältGilt beim Anbieter, der sperrt

Häufige Verwechslungen mit dem Begriff

Neben der Spielsperre wird der Werbeverzicht gern mit dem Bonusverzicht vermischt. Beim Bonusverzicht lehnen Sie einen konkreten Bonus ab, damit Ihre Einzahlung keinen Umsatzbedingungen, also keinem Wagering, unterliegt.

Das eine betrifft Ihr Postfach, das andere Ihr Guthaben.

Eine weitere Verwechslung betrifft die Robinsonliste der Wirtschaftskammer. Sie wirkt nur gegenüber Adressverlagen und Direktmarketingunternehmen und betrifft vor allem Werbung auf dem Postweg, für Casino-Newsletter ist sie das falsche Werkzeug. Wenn Sie merken, dass Werbung Sie zum Spielen bringt, obwohl Sie das nicht wollen, reicht ein Verzicht allein selten aus. Dann sind ein Einzahlungslimit oder eine Spielsperre beim Anbieter die wirksameren Schritte, und die Beratungsstellen für Spielsucht in Ihrem Bundesland helfen kostenlos beim nächsten Schritt.

Neueste Ratgeber

0 %
0
0