Niederlande: Branchenverband VNLOK verklagt Meta wegen illegaler Glücksspielwerbung
Wer in den Niederlanden durch Facebook oder Instagram scrollt, bekommt laut dem Branchenverband VNLOK Glücksspielwerbung zu sehen, die überwiegend von Anbietern ohne niederländische Lizenz stammt. Am 28. September 2026 gab der Verband der lizenzierten Online-Glücksspielanbieter bekannt, dass er dem Meta-Konzern eine Ladung zum Bezirksgericht Amsterdam (Rechtbank Amsterdam) zugestellt hat.
Der in Den Haag ansässige Verband wirft Meta vor, die Pflichten aus dem Digital Services Act (DSA) nicht zu erfüllen. Gemeint ist jenes EU-Gesetz, das sehr große Online-Plattformen verpflichtet, die Risiken illegaler Inhalte zu begrenzen. Mit der Klage setzt VNLOK jenen Schritt, den er im Juni 2026 angekündigt hatte.

Was VNLOK vom Amsterdamer Gericht verlangt
VNLOK ersucht das Gericht festzustellen, dass Meta gegen seine Verpflichtungen aus dem DSA verstößt. Zusätzlich soll der Konzern verpflichtet werden, illegale Glücksspielwerbung, die sich an niederländische Konsumentinnen und Konsumenten richtet, wirksamer zu verhindern.
Bei der Ankündigung am 22. Juni 2026 hatte der Verband seine Ziele genauer umrissen: eine Erklärung, dass Meta direkt für die illegalen Inhalte haftet, eine gerichtliche Anordnung zur Einhaltung des DSA und ein Zwangsgeld für jeden Tag, an dem Meta dieser Anordnung nicht nachkommt.
Den Kern der Klage bilden die eigenen Auswertungen des Verbands. Demnach stammten wiederholt mehr als 90 Prozent der untersuchten Glücksspielanzeigen auf Facebook von illegalen Seiten. Meta habe im Mai 2026 nur 11 Prozent und im Juni 2026 nur 15 Prozent der illegalen Anzeigen entfernt.
Entscheidend ist laut VNLOK die kurze Laufzeit der Anzeigen. Im Mai war eine illegale Anzeige im Schnitt 1,58 Tage online, und 76 Prozent davon blieben kürzer als einen Tag sichtbar. Im Juni lag die durchschnittliche Laufzeit bei zwei Tagen, 65 Prozent waren weniger als einen Tag zu sehen. Wird eine Anzeige erst nach einer Meldung gelöscht, hat sie ihr Publikum meist schon erreicht, weshalb der Verband verlangt, dass Meta solche Werbung abfängt, bevor sie überhaupt geschaltet wird.
Genau an dieser Stelle versagt das bisherige Melden im Nachhinein.
Parlament und Aufsicht nehmen Plattformen ins Visier
VNLOK-Vorsitzender Björn Fuchs begründete den Gang vor Gericht damit, dass der Verband Meta wiederholt auf das Ausmaß des Problems hingewiesen und um eine strukturelle Zusammenarbeit gebeten habe. Das habe zu wenig gebracht, deshalb lege man die Sache nun einem niederländischen Gericht vor.
Der Verband betont, dass sich die Klage nicht gegen soziale Medien an sich richtet, sondern gegen das Ermöglichen illegaler Glücksspielangebote.
Parallel dazu beschäftigt das Thema die Zweite Kammer, das Unterhaus des niederländischen Parlaments. Am 23. September 2026 brachten die Abgeordneten Bikkers, Tijs van den Brink und Mohandis einen Entschließungsantrag ein. Plattformen, die illegale Glücksspielwerbung nach wiederholten Meldungen weiter zeigen, sollen demnach selbst eine Übertretung begehen. Die Glücksspielaufsicht Kansspelautoriteit soll in solchen Fällen eine Verwaltungsstrafe oder eine Anordnung unter Zwangsgeld verhängen dürfen. Die Abstimmung darüber war für den 29. September 2026 angesetzt, ihr Ergebnis geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.
VNLOK begrüßt den Antrag, fordert die Kansspelautoriteit aber auf, nicht auf neue Gesetze zu warten. Die Behörde verfüge über rechtliche Möglichkeiten, Beteiligte stärker in die Pflicht zu nehmen, die illegales Online-Glücksspiel erleichtern. Laut Fuchs reicht das Problem zudem über Meta hinaus: Illegale Anbieter nutzten auch Suchergebnisse, irreführende Weiterleitungen und Telegram-Kanäle und tauchten nach einer Sperre über einen anderen Kanal wieder auf.



