Basisstrategie im Blackjack
Die Basisstrategie (Basic Strategy) ist beim Blackjack die mathematisch optimale Entscheidung für jede Kombination aus eigener Hand und offener Karte des Dealers, ohne dass bereits gespielte Karten mitgezählt werden. Sie legt fest, wann Sie ziehen, stehen, verdoppeln, teilen oder aufgeben. Den Hausvorteil (den langfristigen Anteil des Einsatzes, den das Casino einbehält) beseitigt sie nicht. Bei günstigen Tischregeln drückt sie ihn auf rund 0,5 %, an schlechten Tischen bleibt deutlich mehr übrig.

Wie die Basisstrategie berechnet wird
Für jede Ausgangslage wird der Erwartungswert (der durchschnittliche Gewinn oder Verlust pro Einsatzeinheit) aller erlaubten Aktionen berechnet. Die Aktion mit dem höchsten Erwartungswert landet in der Strategietabelle, auch wenn sie im Einzelfall öfter verliert als gewinnt.
Das klassische Beispiel ist eine harte 16 gegen eine offene 10 des Dealers: Ziehen und Stehen verlieren beide auf Dauer, Ziehen verliert aber etwas weniger.
Die erste veröffentlichte Fassung stammt von Roger Baldwin, Wilbert Cantey, Herbert Maisel und James McDermott, die ihre Analyse 1956 im Journal of the American Statistical Association vorstellten. Spätere Computerberechnungen haben die Tabelle verfeinert, am Grundprinzip hat sich seither nichts geändert.
Gesamtwert oder Kartenzusammensetzung
Die übliche Tabelle ist gesamtwertabhängig (total-dependent): Sie unterscheidet nur nach der Summe Ihrer Hand und nicht nach den einzelnen Karten. Eine zusammensetzungsabhängige Variante (composition-dependent) berücksichtigt zusätzlich, ob eine 16 aus Zehn und Sechs oder aus drei kleinen Karten besteht. Der Zugewinn daraus bewegt sich im Bereich von Hundertstelprozentpunkten, weshalb fast alle veröffentlichten Tabellen bei der einfachen Form bleiben.
Basisstrategie am RNG- und Live-Tisch
Eine Basisstrategie gilt immer nur für ein bestimmtes Regelwerk. Wer am Handy zwischen RNG-Blackjack (Zufallszahlengenerator statt echter Karten) und einem Live-Casino-Tisch wechselt, spielt oft zwei verschiedene Regelsätze und braucht strenggenommen zwei Tabellen.
Die Regeln stehen im Infobereich des Spiels, den die meisten Anbieter hinter einem kleinen „i“ oder einem Menüsymbol unterbringen. Was ich dort zuerst prüfe, ist die Auszahlung für einen Blackjack, danach das Verhalten des Dealers bei Soft 17 (eine 17 mit einem als 11 gezählten Ass).
Die Unterschiede sind größer, als die bunten Lobbys vermuten lassen. Zieht der Dealer auf Soft 17 (H17), steigt der Hausvorteil um etwa 0,2 Prozentpunkte, und einzelne Felder der Tabelle verschieben sich. Zahlt ein Tisch für Blackjack nur 6:5 statt 3:2, kommen rund 1,4 Prozentpunkte dazu, womit ein Spiel von etwa 0,5 % auf knapp 2 % rutscht. Die Anzahl der Decks wirkt ebenfalls, wenn auch schwächer, und der genaue Gesamtwert hängt davon ab, welche Regeln sonst noch gelten. Vierzig Blackjack-Tische in einer Lobby sagen daher wenig über deren Qualität aus, entscheidend ist, wie viele davon 3:2 zahlen.
Eine 6:5-Auszahlung gleicht keine noch so saubere Spielweise aus.
Womit die Basisstrategie verwechselt wird
Am häufigsten wird die Basisstrategie mit dem Kartenzählen (Card Counting) gleichgesetzt. Kartenzählen verfolgt, welche Karten bereits gefallen sind, und passt Einsatzhöhe und einzelne Entscheidungen daran an, während die Basisstrategie diese Information bewusst ausblendet.
Im RNG-Blackjack wird in der Regel nach jeder Runde neu gemischt, wodurch Zählen dort ins Leere läuft. Live-Tische arbeiten meist mit einem Schuh aus mehreren Decks, wie früh dort neu gemischt wird, handhaben die Studios aber unterschiedlich.
Progressionen wie Martingale (Einsatzverdopplung nach jedem Verlust) sind ebenfalls keine Basisstrategie, weil sie nur die Einsatzhöhe steuern und den Erwartungswert einer Hand nicht verändern.
Bleibt der Zusammenhang mit dem RTP, der Auszahlungsquote eines Spiels. Ein Hausvorteil von 0,5 % entspricht rechnerisch einem RTP von 99,5 %, diese Zahl setzt allerdings fehlerfreies Spiel nach der passenden Tabelle voraus. Steht im Infobereich eines Blackjack-Spiels ein RTP über 99 %, beschreibt er üblicherweise diesen theoretischen Optimalfall und nicht den Durchschnitt der tatsächlich gespielten Runden. Wer nach Gefühl entscheidet, gibt nach gängigen Berechnungen mehr als 2 % ab, und ein beworbener Wert von 99,5 % sagt über die eigene Spielweise genau nichts.
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