Kontrollverlust beim Glücksspiel

Sabrina Ebner-Kovačević
Zuletzt aktualisiert am 11. September 2026, 16:43
  • Sicherheit
  • Strategie

Kontrollverlust bezeichnet beim Glücksspiel den Zustand, in dem Sie Beginn, Dauer, Einsatzhöhe oder Ende des Spielens nicht mehr so steuern können, wie Sie es sich vorgenommen haben.

Der Begriff hat eine feste fachliche Bedeutung: Die ICD-11 der WHO nennt die beeinträchtigte Kontrolle als erstes Merkmal der Glücksspielstörung mit dem Code 6C50. Eine einzelne verlorene Session erfüllt dieses Merkmal noch nicht.

Kontrollverlust

Wie Kontrollverlust fachlich definiert ist

Die ICD-11 beschreibt die Glücksspielstörung über drei Merkmale, die gemeinsam vorliegen müssen: beeinträchtigte Kontrolle, wachsende Priorität des Spielens und Weiterspielen trotz negativer Folgen.

Kontrollverlust ist davon das erste. Gemeint ist laut WHO-Text die Kontrolle über Beginn, Häufigkeit, Intensität, Dauer, Beendigung und Kontext des Spielens. Für eine Diagnose besteht das Muster in der Regel mindestens zwölf Monate. Das amerikanische DSM-5 fasst dasselbe als wiederholte erfolglose Versuche, das Spielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben.

Dort ist es eines von neun Kriterien, von denen mindestens vier binnen zwölf Monaten erfüllt sein müssen.

Kontrollverlust und Verlustjagd gegenübergestellt

Am häufigsten wird Kontrollverlust mit der Verlustjagd verwechselt, im Englischen „chasing“ genannt. Die Gegenüberstellung zeigt, wo sich beide decken.

Kontrollverlust

Verlustjagd (Chasing)

Eigenes Kriterium im DSM-5Eigenes Kriterium im DSM-5
Kernmerkmal der ICD-11-DefinitionIn der ICD-11-Definition nicht eigens genannt
Betrifft Beginn, Dauer und Ende des SpielensBetrifft das Zurückgewinnen von Verlusten
Kann auch nach Gewinnen einsetzenFolgt auf vorangegangene Verluste
Zeitlimits und Spielpausen setzen hier anVerlust- und Einzahlungslimits setzen hier an
Allein noch keine DiagnoseAllein noch keine Diagnose

Wo Ihnen Kontrollverlust im Spielalltag begegnet

Im Alltag zeigt sich Kontrollverlust als Abstand zwischen Vorsatz und Kontoauszug: Die Session dauert länger als geplant, und auf die erste Einzahlung folgt eine zweite.

Anbieter setzen hier mit Einzahlungslimits, Sitzungserinnerungen, Spielpausen und Selbstsperren an, wobei Umfang und Bedienung von Anbieter zu Anbieter verschieden sind. Was ich zuerst prüfe, ist die Wartefrist bei einer Lockerung. Wo eine Limiterhöhung sofort wirkt, versagt der Schutz genau im entscheidenden Moment.

Kostenlose, auf Wunsch anonyme Beratung bietet etwa die Spielsuchthilfe Wien, Stolberggasse 26, 1050 Wien, Telefon 01 544 13 57.

Stellen in allen Bundesländern listet das Bundesministerium für Finanzen.

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