Problematisches Spielverhalten: Definition

Sabrina Ebner-Kovačević
Zuletzt aktualisiert am 21. Juli 2026, 10:10
  • Sicherheit
  • Strategie

Problematisches Spielverhalten bezeichnet ein Muster beim Glücksspiel, bei dem Einsätze, Spielzeit oder Gedanken ans Spielen so viel Raum einnehmen, dass Geld, Beziehungen oder Arbeit darunter leiden, auch wenn noch keine Diagnose vorliegt.

Der Begriff ist breiter als die Spielsucht im medizinischen Sinn. Er beschreibt eine Gefährdung, die sich meist schrittweise aufbaut, und genau deshalb setzen Spielerschutzmaßnahmen bei Anbietern in der Regel hier an und nicht erst bei der Krankheit.

Problematisches Spielverhalten

Wo die Grenze zur Glücksspielstörung liegt

Wenn Sie den Begriff auf einer Anbieterseite lesen, ist damit fast nie eine medizinische Diagnose gemeint. Die klinische Form heißt Glücksspielstörung, und für sie gibt es zwei Regelwerke mit festen Kriterien.

Das US-Handbuch DSM-5 verlangt, dass innerhalb von zwölf Monaten mindestens vier von neun Kriterien erfüllt sind. Dazu zählen etwa immer höhere Einsätze und das sogenannte Chasing, also das Weiterspielen am nächsten Tag, um Verluste zurückzuholen. Vier bis fünf erfüllte Kriterien gelten als leichte, sechs bis sieben als mittlere und acht bis neun als schwere Ausprägung.

Die WHO-Klassifikation ICD-11 führt die Störung unter dem Code 6C50. Sie beschreibt sie über Kontrollverlust, einen wachsenden Vorrang des Spielens vor anderen Lebensbereichen und das Weiterspielen trotz negativer Folgen. Auch hier gilt in der Regel ein Zeitraum von mindestens zwölf Monaten, der bei schweren Verläufen kürzer ausfallen kann.

Problematisches Spielverhalten liegt unterhalb dieser Schwelle oder zeitlich davor.

In Bevölkerungsstudien wird es deshalb oft gemeinsam mit oder getrennt vom pathologischen Spielen ausgewiesen, wobei die genaue Grenze vom verwendeten Fragebogen abhängt und zwischen den Erhebungen nicht einheitlich gezogen wird. Eine Diagnose stellt ohnehin nur eine Fachperson, kein Selbsttest auf einer Casinoseite.

Wie viele Menschen in Österreich betroffen sind

Für Österreich gibt es keine laufende Zählung, sondern einzelne Bevölkerungsbefragungen und Daten aus Beratungs- und Behandlungseinrichtungen.

Ein im Auftrag des Finanzministeriums erstellter Bericht der Gesundheit Österreich GmbH nennt 1,1 Prozent der Bevölkerung mit problematischem oder pathologischem Spielverhalten. Die Zahl stützt sich auf Erhebungen von Kalke und Kollegen aus den Jahren 2011 und 2015 und fasst beide Stufen zusammen.

Eine Studie des IHS im Auftrag der ÖBAG hat für das Jahr 2019 rund 3.500 Spielerinnen und Spieler gezählt, die betreut oder behandelt wurden. Dem stellt sie ein Dunkelfeld von rund 46.000 bis 81.000 Personen gegenüber, die keine Behandlung in Anspruch nahmen.

Der Abstand zwischen diesen beiden Zahlen ist der eigentliche Befund. Die meisten Betroffenen tauchen in keiner Beratungsstatistik auf, und viele würden sich selbst nicht als süchtig bezeichnen, weshalb der weitere Begriff des problematischen Spielverhaltens für die Prävention überhaupt erst brauchbar wird.

Wo Ihnen der Begriff beim Spielen begegnet

Im Spielbetrieb begegnet Ihnen der Begriff dort, wo ein Anbieter auf auffälliges Verhalten reagieren muss oder reagieren will.

Für Spielbanken ist das im Glücksspielgesetz geregelt. Entsteht nach § 25 Abs. 3 GSpG die begründete Annahme, dass Häufigkeit und Intensität des Spielens Ihr Existenzminimum gefährden, holt die Spielbankleitung eine unabhängige Bonitätsauskunft ein und führt mit Ihnen ein Beratungsgespräch. Bestätigt sich die Gefährdung oder verweigern Sie die Auskunft, muss das Casino den Besuch untersagen oder die Zahl der Besuche einschränken.

Online ist die Praxis zwischen den Anbietern sehr unterschiedlich. Manche werten Einzahlungsmuster aus und melden sich von sich aus, andere stellen nur Werkzeuge wie Einzahlungslimits und Selbstsperren bereit, die Sie selbst aktivieren müssen.

Genau hier liegt die Schwachstelle.

Eine Sperre gilt bei dem Anbieter, bei dem Sie sie setzen, und erfasst andere Seiten nicht, solange das geplante zentrale Sperrregister in Österreich nicht in Betrieb ist. Was ich bei Leserfragen zuerst prüfe, ist deshalb, ob ein Limit nur auf einem einzelnen Konto liegt oder ob schon eine Beratungsstelle eingebunden ist, denn dort bekommen Sie Hilfe unabhängig vom Anbieter.

Die Spielsuchthilfe berät österreichweit kostenfrei und auf Wunsch anonym. Sie erreichen sie unter +43 1 544 13 57, die Telefonberatung ist werktags von Montag bis Freitag zwischen 11.00 und 13.00 Uhr besetzt. Die Adresse lautet Stolberggasse 26, 3. Stock, 1050 Wien.

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