Provably-Fair-Ergebnis selbst nachrechnen und prüfen

Volkan Kaya
| Faktengeprüft von: , Analyst für Sportwetten und Bonusbedingungen
Zuletzt aktualisiert am 28. Juli 2026, 17:25
  • Spiele
  • Sicherheit

Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie ein Provably-Fair-Ergebnis (nachweislich faires Spielergebnis) selbst nachrechnen, statt der Fairness-Seite eines Casinos einfach zu glauben. Wir erklären, welche Werte Sie vor und nach einer Runde brauchen, wo sie im Spielverlauf stehen und wie aus einem Hash eine Würfelzahl wird.

Gedacht ist der Text für Spielerinnen und Spieler aus Österreich, die Crash-, Dice- oder Mines-Spiele kennen und wissen wollen, was die Prüfung tatsächlich belegt. Ebenso deutlich zeigen wir, was sie nicht belegt.

Provably-Fair-Ergebnis überprüfen

Was Provably Fair technisch bedeutet

Provably Fair beschreibt ein Verfahren, bei dem das Casino sich vor der Runde auf einen geheimen Wert festlegt und diesen erst nachher offenlegt. Festgelegt wird er über einen Hash (eine Art digitaler Fingerabdruck, meist nach dem Verfahren SHA-256), den Sie schon vor dem Einsatz sehen.

Das Ergebnis entsteht aus drei Zutaten: dem Server Seed des Betreibers, Ihrem Client Seed und einem Zähler namens Nonce. Die gängigen Umsetzungen verarbeiten diese Werte mit HMAC-SHA256, einer verschlüsselten Hash-Funktion, bei der der Server Seed als Schlüssel dient. So dokumentiert es etwa Stake auf seiner öffentlichen Implementierungsseite, und unabhängige Prüftools rechnen nach demselben Schema.

Der Kern ist simpel.

Weil der Hash vor Ihrem Einsatz feststeht, kann der Betreiber den Server Seed nachträglich nicht austauschen, ohne dass der Fingerabdruck plötzlich nicht mehr passt. Weil Sie den Client Seed selbst setzen dürfen, kann er das Ergebnis auch nicht im Voraus so berechnen, dass es gegen Sie ausfällt. Diese Logik gilt allerdings nur, wenn Sie den Hash tatsächlich vor dem Spiel notieren und die Rechenvorschrift des jeweiligen Spiels kennen, denn jede Plattform wandelt den Hash etwas anders in Würfelzahlen, Karten oder Multiplikatoren um.

Provably Fair und zertifizierter RNG im Vergleich

Klassische Online-Slots verlassen sich auf einen Zufallsgenerator (RNG), den ein Testlabor prüft. Die Gegenüberstellung zeigt, wo die beiden Ansätze ihre Stärken haben und wo sie einander ergänzen.

Provably Fair

Zertifizierter RNG

Jede einzelne Runde ist für Sie selbst nachrechenbarPrüfung erfolgt durch ein Labor, nicht durch Sie
Sagt nichts über RTP oder Hausvorteil der SpielversionPrüfbericht bezieht sich auf das Spiel samt Auszahlungsquote
Vertrauen liegt im offengelegten RechenwegVertrauen liegt bei Labor und Aufsichtsbehörde
Verbreitet bei Crash, Dice, Plinko und MinesÜblich bei Slots und Tischspielen großer Hersteller
Expertenkommentar

Was wir bei solchen Vergleichen zuerst klarstellen: Ein bestandener Hash-Check beweist, dass das Ergebnis nicht nachträglich manipuliert wurde. Er beweist nicht, dass das Spiel großzügig ist. Ein Dice-Spiel mit hohem Hausvorteil kann vollkommen fair im technischen Sinn sein und trotzdem teuer.

Server Seed, Client Seed und Nonce erklärt

Der Server Seed ist eine zufällige Zeichenfolge, die der Betreiber erzeugt und zunächst geheim hält. Sichtbar ist anfangs nur sein Hash, also die gehashte Fassung, die Sie sich vor dem ersten Einsatz kopieren sollten.

Den Client Seed liefert Ihr Browser, in den meisten Fällen dürfen Sie ihn aber durch eine eigene Zeichenfolge ersetzen. Genau das empfehlen wir, denn ein selbst gewählter Wert nimmt dem Betreiber jede Möglichkeit, die Kombination vorab zu kennen.

Die Nonce ist ein schlichter Zähler.

Sie beginnt üblicherweise bei null und steigt mit jedem Einsatz um eins, damit dasselbe Seed-Paar bei jeder Runde ein anderes Ergebnis liefert. Manche Spiele brauchen pro Runde mehr Zufallszahlen als ein einzelner Hash hergibt, etwa wenn mehrere Karten gezogen oder viele Felder belegt werden. Dafür kommt ein zusätzlicher Cursor oder Rundenindex ins Spiel, den Stake beispielsweise als dritten Teil der Nachricht mitführt.

Wann der Server Seed offengelegt wird

Den Klartext des Server Seeds erhalten Sie erst, wenn Sie das Seed-Paar wechseln, also einen neuen Server Seed anfordern. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern Absicht: Würde der aktuelle Seed während des Spiels sichtbar, könnten Sie künftige Ergebnisse vorausberechnen. Einige Plattformen legen ihn zeitverzögert offen; ein Anbieter von Lootboxen nennt dafür in seiner Hilfe beispielsweise 24 Stunden.

Wo Sie die Prüfwerte im Konto finden

WertErzeugt vonSichtbar abTypischer Fundort
Server-Seed-HashBetreiberVor dem ersten EinsatzFairness-Bereich des Spiels
Server Seed (Klartext)BetreiberNach dem Seed-WechselFairness-Bereich oder Wettverlauf
Client SeedBrowser oder Sie selbstSofortFairness-Bereich, editierbar
NonceSystem, zählt mitPro RundeWettverlauf, Rundendetails
Cursor oder RundenindexSystemNur bei MehrfachziehungDokumentation des Spiels
Wett-ID und ErgebnisSystemNach der RundeWettverlauf
Expertenkommentar

Was wir bei Fairness-Seiten zuerst prüfen, ist die Frage, ob der Hash vor dem Einsatz angezeigt wird oder erst danach. Taucht er erst gemeinsam mit dem Ergebnis auf, verliert die gesamte Prüfung ihren Sinn. Am Handy ist dieser Bereich oft tief im Menü versteckt.

Vom Hash zur Würfelzahl: ein Rechenweg

Am Beispiel Dice lässt sich gut zeigen, wie aus Buchstaben und Ziffern ein Spielergebnis wird. Wir stützen uns dabei auf die öffentlich dokumentierte Umsetzung von Stake, die viele Prüftools nachbilden.

Zuerst entsteht der HMAC-SHA256-Wert mit dem Server Seed als Schlüssel und der Nachricht aus Client Seed, Nonce und Cursor, jeweils durch Doppelpunkte getrennt. Das Ergebnis ist ein Hash aus 32 Bytes, also 64 Hexadezimalzeichen.

Aus den ersten vier Bytes wird eine Kommazahl zwischen 0 und 1: Das erste Byte wird durch 256 geteilt, das zweite durch 256 hoch zwei, und so weiter bis zum vierten. Diese Kommazahl wird mit 10.001 multipliziert, abgerundet und durch 100 geteilt. Heraus kommt ein Wurf zwischen 0,00 und 100,00 mit genau 10.001 möglichen Werten.

Genau hier scheitern die meisten Prüfungen.

Andere Plattformen verwenden SHA-512, eine andere Reihenfolge der Nachricht oder statt Doppelpunkten einen Bindestrich, und schon liefert dasselbe Seed-Paar ein völlig anderes Ergebnis. Ein Rechner, der für Stake gebaut wurde, zeigt bei einem anderen Casino daher womöglich eine Abweichung, obwohl dort alles korrekt läuft. Lesen Sie deshalb immer zuerst die Implementierungsseite des konkreten Anbieters, bevor Sie ein Ergebnis als falsch einstufen.

Vorbereitung vor der ersten Runde

Die eigentliche Prüfung beginnt, bevor Sie überhaupt einen Einsatz platzieren. Wer den Server-Seed-Hash erst nachträglich sucht, kann nur noch prüfen, ob der Betreiber mit sich selbst übereinstimmt.

Öffnen Sie daher den Fairness-Bereich des Spiels und kopieren Sie den angezeigten Hash in eine eigene Notiz außerhalb des Casinos. Ein Screenshot genügt ebenfalls, sofern die vollständige Zeichenkette lesbar ist. Am Handy lohnt sich der zusätzliche Blick, ob die Anzeige den Hash abschneidet, weil schmale Bildschirme lange Zeichenketten oft mit drei Punkten kürzen.

Setzen Sie anschließend einen eigenen Client Seed, etwa eine beliebige Wortfolge, die Sie sonst nirgends verwenden. Für das Nachrechnen brauchen Sie ein Werkzeug, das HMAC-SHA256 beherrscht: Viele Casinos bieten einen eigenen Verifier, daneben gibt es quelloffene Prüftools auf GitHub, die lokal im Browser rechnen.

Wir raten zu einem unabhängigen Werkzeug.

Ein Verifier auf der Seite des Betreibers ist bequem, prüft aber letztlich mit Code, den derselbe Betreiber kontrolliert. Ein Open-Source-Tool, dessen Quelltext Sie oder andere einsehen können, ist die sauberere Gegenprobe, gerade wenn größere Beträge im Spiel sind.

Ein Ergebnis Schritt für Schritt nachprüfen

Die folgenden Schritte setzen voraus, dass Sie den Hash vor der Runde gesichert haben. Die Abfolge entspricht dem Verfahren, das die gängigen Prüftools und Implementierungsseiten beschreiben.

  • Schritt 1

    Server-Seed-Hash vor dem Einsatz sichern

    Kopieren Sie den angezeigten Hash aus dem Fairness-Bereich vollständig in eine eigene Notiz. Ohne diesen Wert aus der Zeit vor dem Spiel lässt sich später nicht belegen, dass der Seed wirklich feststand.
  • Schritt 2

    Runde spielen und Rundendaten notieren

    Halten Sie nach der Runde die Wett-ID, den Spieltyp und die Nonce aus dem Wettverlauf fest. Bei Spielen mit mehreren Ziehungen pro Runde notieren Sie zusätzlich den Cursor oder Rundenindex.
  • Schritt 3

    Seed-Paar wechseln und Klartext abrufen

    Fordern Sie einen neuen Server Seed an. Damit wird der bisherige Seed im Klartext offengelegt. Manche Plattformen zeigen ihn erst mit zeitlicher Verzögerung, dann müssen Sie die angegebene Frist abwarten.
  • Schritt 4

    Klartext hashen und mit Notiz vergleichen

    Berechnen Sie den SHA-256-Hash des offengelegten Seeds mit einem beliebigen Hash-Werkzeug, auch offline. Das Ergebnis muss Zeichen für Zeichen mit Ihrer Notiz übereinstimmen, sonst wurde der Seed ausgetauscht.
  • Schritt 5

    Ergebnis mit gleicher Formel neu berechnen

    Geben Sie Server Seed, Client Seed und Nonce in einen Verifier ein, der die Rechenvorschrift des Anbieters umsetzt. Die errechnete Zahl muss dem Ergebnis im Wettverlauf entsprechen, abgesehen von Rundungen in der Anzeige.
Expertenkommentar

In unserer Analyse der veröffentlichten Implementierungsseiten fällt auf, dass Schritt 4 am häufigsten übersprungen wird, obwohl er der wichtigste ist. Die Neuberechnung in Schritt 5 allein zeigt nur, dass die Formel stimmt. Erst der Hash-Abgleich zeigt, dass der Seed vorher feststand.

Was die Prüfung nicht beweist

Ein übereinstimmender Hash ist ein solider technischer Nachweis, aber er beantwortet nur eine einzige Frage: ob das Ergebnis nachträglich verändert wurde. Über die Auszahlungsquote sagt er nichts.

Den Hausvorteil legt das Spiel selbst fest, über den Multiplikator oder die Gewinnwahrscheinlichkeit. Ein Würfelspiel kann jede Prüfung bestehen und dennoch einen höheren Hausvorteil haben als ein vergleichbares Spiel nebenan, deshalb gehört die angegebene RTP der konkreten Spielversion immer mitgelesen. Steht dort keine Zahl, behandeln wir die Quote als unbestätigt, ganz gleich, wie selbstbewusst das Marketing mit dem Wort Fairness umgeht.

Auch Auszahlung, KYC und Spielerschutz liegen vollständig außerhalb dessen, was ein Hash belegen kann.

Rechtlicher Rahmen in Österreich

Provably Fair ist kein Ersatz für eine Konzession. Das Glücksspielgesetz (GSpG) knüpft Online-Glücksspiel an eine österreichische Konzession, die das Bundesministerium für Finanzen vergibt; gehalten wird die bestehende Online-Konzession von den Österreichischen Lotterien mit ihrer Plattform win2day. Eine Novelle des GSpG, die mehrere Online-Konzessionen sowie Netz- und Zahlungssperren gegen Anbieter ohne Konzession vorsieht, wurde als Regierungsvorlage im Nationalrat eingebracht. Viele Provably-Fair-Spiele laufen auf Krypto-Plattformen ohne österreichische Konzession, und daran ändert auch eine bestandene Hash-Prüfung nichts.

Häufige Fragen zur Provably-Fair-Prüfung

Brauche ich Programmierkenntnisse für die Prüfung?

Nein. Für den Hash-Abgleich reicht ein beliebiger SHA-256-Rechner, für die Neuberechnung ein Verifier, der die Formel des Anbieters umsetzt. Sie kopieren nur Werte hinein und vergleichen die Ausgabe.

Warum sehe ich den Server Seed nicht sofort?

Wäre der aktuelle Server Seed sichtbar, könnten Sie künftige Ergebnisse vorausberechnen. Deshalb sehen Sie zunächst nur den Hash, den Klartext erst nach dem Wechsel des Seed-Paars.

Muss ich meinen Client Seed selbst ändern?

Pflicht ist das nicht, wir empfehlen es aber. Ein selbst gewählter Client Seed stellt sicher, dass der Betreiber die Kombination aus beiden Seeds vor Ihrem Einsatz nicht kennen konnte.

Was bedeutet es, wenn mein Ergebnis abweicht?

Prüfen Sie zuerst, ob Ihr Verifier dieselbe Hash-Funktion, Reihenfolge und Trennzeichen wie der Anbieter verwendet. Weicht dagegen schon der Hash des Server Seeds von Ihrer Notiz ab, ist das ein ernstes Warnsignal.

Kann ich auch Slots mit Provably Fair prüfen?

Nur wenn der Slot ausdrücklich mit Provably Fair arbeitet. Die meisten Slots großer Hersteller nutzen einen zertifizierten RNG, dessen Ergebnisse Sie nicht selbst nachrechnen können.

Nein. Die Rechtmäßigkeit hängt an einer Konzession nach dem Glücksspielgesetz, nicht an der verwendeten Technik. Die Hash-Prüfung sagt über den rechtlichen Status eines Anbieters nichts aus.

Zeigt Provably Fair die Gewinnchancen eines Spiels?

Nein. Die Prüfung belegt nur, dass ein Ergebnis nicht nachträglich verändert wurde. Hausvorteil und RTP entnehmen Sie den Angaben zur jeweiligen Spielversion.

Volkan Kaya
Autor des Artikels: Volkan Kaya
Analyst für Spiele, Software und Plattformen
Schreibt über Slots, Live-Casino und Casino-Software und gibt jede Auszahlungsquote mit der Version an, auf die sie sich bezieht. Am Handy beschreibt er, wann eine Plattform ins Stocken kommt.

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