Casino-Gewinne in Österreich steuerlich richtig einordnen

Christoph Horvath
| Faktengeprüft von: , Spezialist für Zahlungen und Auszahlungen
Zuletzt aktualisiert am 7. Juli 2026, 09:51
  • Zahlungen
  • Sicherheit

Dieser Ratgeber erklärt, warum Gewinne aus Casino, Online-Slots und Live Casino für Privatpersonen in Österreich keiner Einkommensteuer unterliegen und an welchen Stellen trotzdem Steuern oder Meldepflichten entstehen. Er richtet sich an Spielerinnen und Spieler, die einen größeren Betrag gewonnen haben und klären wollen, was sie gegenüber Finanzamt, Bank und Familie beachten müssen.

Wir haben dafür die maßgeblichen Normen im RIS, die Einkommensteuerrichtlinien des BMF und die Angaben auf oesterreich.gv.at gelesen. Eine individuelle Steuerberatung ersetzt dieser Text nicht.

Muss ich Casino-Gewinne in Österreich versteuern?

Warum Casino-Gewinne nicht einkommensteuerpflichtig sind

Das österreichische Einkommensteuerrecht arbeitet mit einer abschließenden Aufzählung: Steuerpflichtig ist nur, was unter eine der sieben Einkunftsarten des § 2 Abs. 3 EStG 1988 fällt. Ein Gewinn am Roulettetisch, beim Blackjack oder an einem Online-Slot lässt sich keiner davon zuordnen, weil ihm weder eine Arbeitsleistung noch eine Überlassung von Kapital zugrunde liegt.

Die Finanzverwaltung sieht das genauso. In den Einkommensteuerrichtlinien 2000 führt das BMF unter Rz 101a „Gewinne aus Glückspielen und Wetten“ ausdrücklich als nicht steuerbar an, gleich neben Lotteriegewinnen und Gewinnen aus Preisausschreiben mit Auslosung.

Die Höhe spielt dabei keine Rolle.

Ob Sie 200 Euro oder 200.000 Euro gewinnen, eine Freigrenze oder einen Schwellenwert kennt das Gesetz beim Gewinn selbst nicht. Auch der Ort ist für die österreichische Einkommensteuer gleichgültig, ein Gewinn in einer Spielbank im Ausland bleibt hier ebenso nicht steuerbar wie einer bei win2day. Ob der andere Staat eine Quellensteuer einbehält, richtet sich nach dessen Recht, und diese Frage haben wir für diesen Ratgeber nicht geprüft.

Steuerfrei heißt allerdings nicht, dass niemand Steuern zahlt. Die Abgabenlast liegt beim Veranstalter: Nach § 57 GSpG schuldet der Anbieter Glücksspielabgaben, für elektronische Lotterien, also Online-Casino-Spiele, seit dem Budgetbegleitgesetz 2025 45 Prozent der Jahresbruttospieleinnahmen. Das sind laut § 57 Abs. 5 GSpG die Einsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne eines Kalenderjahres. Für Sie als Spieler folgt daraus keine Erklärungs- und keine Zahlungspflicht.

So gehen Sie nach einem größeren Gewinn vor

Die folgenden Schritte ordnen, was nach einer größeren Auszahlung tatsächlich zu tun ist. Eine Steuererklärung für den Gewinn gehört nicht dazu, eine saubere Dokumentation dagegen sehr wohl.

  • Schritt 1

    Spielart und Anbieter eindeutig festhalten

    Notieren Sie, ob der Gewinn aus einem Casinospiel, einer Lotterie oder einer Sportwette stammt und welcher Anbieter ihn ausgezahlt hat. Sportwetten sind in Österreich Landessache, an der Einkommensteuerfreiheit des Spielers ändert das nichts.
  • Schritt 2

    Auszahlungsbelege vollständig und dauerhaft sichern

    Speichern Sie Kontoauszug, Auszahlungsbestätigung und den Transaktionsverlauf aus dem Spielerkonto als PDF. Diese Unterlagen belegen später gegenüber Bank oder Finanzamt, dass der Betrag aus einem Spielgewinn stammt und nicht aus einer steuerpflichtigen Quelle.
  • Schritt 3

    KYC-Anfragen des Anbieters vor Auszahlung beantworten

    Vor größeren Auszahlungen verlangen Anbieter in den meisten Fällen Ausweis, Adressnachweis und Angaben zur Herkunft der eingezahlten Mittel. Das folgt aus den Sorgfaltspflichten zur Geldwäscheprävention und ist keine Steuerprüfung, verzögert die Auszahlung aber, solange Dokumente fehlen.
  • Schritt 4

    Herkunftsnachweis für die eigene Bank vorbereiten

    Banken müssen nach dem Finanzmarkt-Geldwäschegesetz bei ungewöhnlich hohen Eingängen die Mittelherkunft hinterfragen. Legen Sie die gesicherten Belege vor, sobald Ihre Bank fragt; eine Gewinnbestätigung des Anbieters klärt diese Frage meist schneller als jede mündliche Erklärung.
  • Schritt 5

    Erträge aus dem angelegten Gewinn versteuern

    Sobald der Gewinn auf einem Sparkonto oder in einem Depot liegt, sind die Erträge steuerpflichtig. Zinsen aus Bankeinlagen tragen 25 Prozent KESt, Dividenden und Kursgewinne 27,5 Prozent; inländische Banken behalten die Steuer direkt ein.
  • Schritt 6

    Weitergaben an Familie rechtzeitig melden

    Schenken Sie einen Teil des Gewinns weiter, prüfen Sie die Anzeigepflicht nach § 121a BAO. Zwischen Angehörigen ist eine Meldung nötig, sobald innerhalb eines Jahres mehr als 50.000 Euro fließen, und zwar binnen drei Monaten über FinanzOnline.
Expertenkommentar

Was wir bei Leserfragen zuerst prüfen, ist Schritt 2. Fast jede spätere Schwierigkeit mit Bank oder Finanzamt entsteht, weil Belege fehlen, und kaum je, weil tatsächlich eine Steuer anfällt. Wer die Auszahlungsbestätigung am Tag der Gutschrift sichert, beantwortet die Herkunftsfrage ohne lange Schleife aus Rückfragen.

Wo die Steuerfreiheit des Spielgewinns endet

Die Steuerfreiheit erfasst den Gewinn im Moment der Auszahlung, und zwar nur ihn. Alles, was danach mit dem Geld geschieht, beurteilt das Finanzamt nach den allgemeinen Regeln.

Erträge aus dem Gewinn

Legen Sie den Betrag auf ein Sparbuch oder Festgeldkonto, unterliegen die Zinsen der Kapitalertragsteuer von 25 Prozent. Für Dividenden, Fondserträge und Kursgewinne gilt der Sondersteuersatz von 27,5 Prozent nach § 27a EStG. Kaufen Sie mit dem Gewinn eine Wohnung und vermieten sie, sind die Mieten Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung.

Der Sonderfall Berufsspieler

Ob ein Berufsspieler gewerbliche Einkünfte erzielt, ist in Österreich nicht abschließend geklärt. Die Einkommensteuerrichtlinien behandeln Glücksspielgewinne als nicht steuerbar, in der Fachliteratur wird jedoch vertreten, dass eine nachhaltige und auf Gewinn ausgerichtete Tätigkeit die Merkmale eines Gewerbebetriebs erfüllen kann, so etwa in einem Beitrag in der SWK 22/2014. In Deutschland hat der Bundesfinanzhof im Verfahren III R 67/18 die Pokergewinne eines Berufsspielers als Einkünfte aus Gewerbebetrieb bestätigt. Eine vergleichbare Entscheidung eines österreichischen Höchstgerichts zu einem Casino-Spieler konnten wir nicht verifizieren.

Bei Slots oder Roulette, wo kein Können das Ergebnis steuert, hat diese Debatte deutlich weniger Gewicht als beim Poker.

Konzessionierter Anbieter oder Anbieter ohne Konzession

Für die Einkommensteuer ist es gleichgültig, wo Sie gewonnen haben. Für Rechtslage, Abgaben und Nachweise macht die Wahl des Anbieters dagegen einen Unterschied, den die folgende Gegenüberstellung zeigt.

win2day (Konzession nach § 14 GSpG)

Anbieter ohne österreichische Konzession

Gewinn für Privatpersonen nicht einkommensteuerpflichtigGewinn für Privatpersonen ebenso nicht einkommensteuerpflichtig
Angebot nach dem GSpG zulässigAngebot verstößt gegen das Glücksspielmonopol nach § 3 GSpG
Glücksspielabgabe wird von der Konzessionärin im Inland abgeführtAbgabe nach § 57 GSpG geschuldet, Abfuhr für Spieler nicht überprüfbar
Spielerschutz unter Aufsicht des BMFSpielerschutz nur nach Vorgaben der jeweiligen ausländischen Behörde
Verluste aus gültigem Spielvertrag nicht rückforderbarRückforderung von Verlusten nach OGH-Rechtsprechung möglich
Gewinnbestätigung eines Unternehmens mit Sitz in WienBelege oft nur aus einem ausländischen Spielerkonto
Expertenkommentar

Was wir in Leserzuschriften am häufigsten korrigieren, ist der Satz „mit EU-Lizenz ist alles legal“. Eine Lizenz der Malta Gaming Authority regelt das Verhältnis des Anbieters zur maltesischen Behörde, eine österreichische Konzession ersetzt sie nicht. Steuerlich bleibt Ihr Gewinn in beiden Spalten trotzdem unberührt.

Gewinn verschenken und seine Herkunft nachweisen

Zwei Pflichten treffen Gewinner häufiger als jede Steuer. Beide knüpfen an das an, was nach der Auszahlung mit dem Geld passiert.

Schenkungsmeldung nach § 121a BAO

Eine Schenkungssteuer gibt es in Österreich nicht mehr, eine Anzeigepflicht für bestimmte Schenkungen unter Lebenden aber sehr wohl, und Bargeld ist davon erfasst. Zwischen Angehörigen ist eine Schenkung befreit, solange die Summe innerhalb eines Jahres 50.000 Euro nicht übersteigt. Zwischen anderen Personen liegt die Grenze bei 15.000 Euro innerhalb von fünf Jahren, mehrere Zuwendungen derselben Person werden zusammengerechnet.

Die Anzeige ist binnen drei Monaten beim Finanzamt Österreich einzubringen, grundsätzlich elektronisch über FinanzOnline. Diese Frist lässt sich nicht verlängern.

Wer einem Kind 60.000 Euro aus einem Jackpot überweist, muss also melden, obwohl auf den Gewinn selbst nie Steuer angefallen ist.

Geldwäscheprüfung bei Bank und Anbieter

Banken und Glücksspielanbieter sind zur Prüfung der Mittelherkunft verpflichtet. Das ist eine Frage des Geldwäscherechts und keine des Steuerrechts, und mit vollständigen Belegen lässt sie sich in aller Regel rasch beantworten. Läuft eine Auszahlung über einen ausländischen Zahlungsdienstleister, ist mit zusätzlichen Rückfragen zu rechnen, weil die Bank den Absender nicht ohne Weiteres zuordnen kann.

Steuern und Pflichten rund um den Gewinn

VorgangSteuer oder PflichtSatz oder GrenzeRechtsgrundlage
Casino-Gewinn als PrivatpersonKeine EinkommensteuerKeine Betragsgrenze§ 2 Abs. 3 EStG, EStR Rz 101a
Online-Casino-Spiel vom InlandGlücksspielabgabe des Anbieters45 % der Bruttospieleinnahmen§ 57 Abs. 2 GSpG
Zinsen aus angelegtem GewinnKapitalertragsteuer25 % bei Bankeinlagen§ 27a EStG
Dividenden und KursgewinneKapitalertragsteuer27,5 %§ 27a EStG
Schenkung an AngehörigeAnzeigepflichtÜber 50.000 Euro pro Jahr§ 121a BAO
Expertenkommentar

Was wir an dieser Übersicht für entscheidend halten, ist das Verhältnis der ersten Zeile zu den übrigen. Der Gewinn selbst bleibt steuerlich unberührt, relevant wird erst seine Verwendung. Wer den Betrag anlegen oder verschenken will, liest die Zeilen drei bis fünf am besten vor der ersten Überweisung.

Was eine Reform des Glücksspielgesetzes ändern würde

Die Bundesregierung hat sich auf die Eckpunkte eines neuen Glücksspielgesetzes geeinigt, das mehreren Anbietern eine Online-Konzession ermöglichen soll. Solange dieser Entwurf nicht beschlossen und in Kraft ist, gilt das bestehende Monopol, und die einzige Konzession für Online-Glücksspiel hält die Österreichische Lotterien GmbH mit ihrer Plattform win2day.

In den veröffentlichten Eckpunkten haben wir keinen Hinweis auf eine Besteuerung von Spielergewinnen gefunden. Die Debatte dreht sich um Lizenzierung, Spielerschutz und die Abgaben der Anbieter.

Eine Prognose, wann und in welcher Fassung das Gesetz kommt, geben wir bewusst nicht ab.

Wichtig bleibt die Trennung zweier Fragen, die in Foren gern vermischt werden. Dass ein Gewinn steuerfrei ist, sagt nichts darüber aus, ob das Angebot, bei dem Sie ihn erzielt haben, in Österreich zulässig war. Ein Anbieter mit einer Lizenz der Malta Gaming Authority oder der Curaçao Gaming Authority verfügt damit über keine österreichische Konzession. Der OGH hat in mehreren Entscheidungen bestätigt, dass Spieler Verluste bei solchen Anbietern zurückfordern können, an der Steuerfreiheit eines Gewinns ändert das nichts. Umgekehrt nimmt Ihnen die Steuerfreiheit keine der oben beschriebenen Pflichten ab: Belege, KESt auf Erträge und die Schenkungsmeldung bleiben bestehen.

Häufige Fragen zur Steuer auf Casino-Gewinne

Muss ich einen Casino-Gewinn in der Steuererklärung angeben?

Nein. Gewinne aus Glücksspielen sind nach den Einkommensteuerrichtlinien nicht steuerbar und gehören daher nicht in die Einkommensteuererklärung. Bewahren Sie die Auszahlungsbelege trotzdem für Rückfragen von Bank oder Finanzamt auf.

Gilt die Steuerfreiheit auch für Gewinne bei Online-Casinos im Ausland?

Ja, für die österreichische Einkommensteuer ist der Ort des Gewinns unerheblich. Die Steuerfreiheit bedeutet aber nicht, dass ein Anbieter ohne österreichische Konzession nach dem GSpG zulässig ist.

Gibt es einen Betrag, ab dem Spielgewinne steuerpflichtig werden?

Nein, eine Freigrenze oder Obergrenze für Spielgewinne kennt das Einkommensteuergesetz nicht. Steuerpflichtig werden erst Erträge, die Sie mit dem Geld erzielen, etwa Sparbuchzinsen mit 25 Prozent KESt.

Muss ich etwas beachten, wenn ich den Gewinn verschenke?

Eine Schenkungssteuer gibt es nicht, wohl aber eine Anzeigepflicht nach § 121a BAO. Sie greift zwischen Angehörigen ab mehr als 50.000 Euro pro Jahr, zwischen anderen Personen ab mehr als 15.000 Euro in fünf Jahren.

Zahlt der Anbieter Steuern auf meinen Gewinn?

Der Anbieter schuldet Glücksspielabgaben nach § 57 GSpG, bei Online-Casino-Spielen 45 Prozent der Jahresbruttospieleinnahmen. Diese Abgabe trifft das Unternehmen, Sie müssen dafür weder etwas erklären noch abführen.

Christoph Horvath
Autor des Artikels: Christoph Horvath
Analyst für Glücksspielrecht und Regulierung
Liest jede Lizenzangabe im Register der ausstellenden Behörde nach und jede Rechtsfrage im Gesetzestext. Er trennt, was in Österreich gilt und was erst im Entwurf der Glücksspielnovelle steht.

Neueste Ratgeber

0 %
0
0