Einfache Chancen beim Roulette
Einfache Chancen sind beim Roulette jene Außenwetten, die eine Hälfte der Zahlen 1 bis 36 abdecken und im Gewinnfall 1:1 auszahlen: Rot oder Schwarz, Gerade oder Ungerade, 1–18 oder 19–36. Jede davon umfasst 18 Zahlen, die Null gehört zu keiner. Am französischen Tisch heißen sie Rouge/Noir, Pair/Impair und Manque/Passe. Der Name beschreibt die Einfachheit der Wette, nicht eine Gewinnwahrscheinlichkeit von fünfzig Prozent.

Wie Wahrscheinlichkeit und Hausvorteil entstehen
Am europäischen Kessel mit 37 Fächern trifft eine einfache Chance in 18 von 37 Fällen, das sind rund 48,65 %. In den übrigen 19 Fällen verliert der Einsatz, und zwar in 18 Fällen an die Gegenseite und einmal an die Null.
Daraus ergibt sich der erwartete Wert pro eingesetztem Euro: 18/37 × 1 minus 19/37 × 1 ergibt -1/37, also ein Hausvorteil (der rechnerische Anteil, den das Casino auf lange Sicht behält) von 2,70 %. Gilt die Regel La Partage, bekommen Sie bei einer Null die Hälfte des Einsatzes zurück, der Verlust in diesem Fall sinkt auf einen halben Euro. Der Vorteil halbiert sich damit auf rund 1,35 %. En Prison sperrt den Einsatz stattdessen für eine weitere Runde und landet langfristig beim selben Wert, schwankt pro Runde aber stärker.
Am amerikanischen Kessel mit Doppelnull sind es nur 18 von 38 Treffern, also etwa 47,37 %.
Einfache Chancen neben Dutzend und Kolonne
Am häufigsten werden einfache Chancen mit den anderen Außenwetten verwechselt, also Dutzend und Kolonne (mehrfache Chancen mit je zwölf Zahlen). Die Gegenüberstellung bezieht sich auf den europäischen Kessel mit einer Null.
Einfache Chance | Dutzend oder Kolonne |
|---|---|
| 18 von 37 Zahlen | 12 von 37 Zahlen |
| Auszahlung 1:1 | Auszahlung 2:1 |
| Hausvorteil 2,70 % ohne Sonderregel | Hausvorteil 2,70 % |
| La Partage oder En Prison: rund 1,35 % | Sonderregeln greifen nicht |
| Kleinere Schwankungen pro Runde | Größere Schwankungen pro Runde |
Wo Sie einfache Chancen am Tisch finden
Auf dem Tableau (dem Setzfeld) liegen die einfachen Chancen außerhalb des Zahlenrasters. Am französischen Tisch sind sie auf beiden Seiten des Feldes angeordnet, am amerikanischen Layout nur auf einer Seite.
Online tragen die Felder meist deutsche oder englische Beschriftungen wie Red/Black, Even/Odd und 1–18/19–36, die Wette dahinter bleibt dieselbe. Ob La Partage oder En Prison gilt, hängt von der Spielvariante und vom Anbieter ab, nicht vom Wort „französisch“ im Spielnamen. Manche Tische mit französischem Layout rechnen bei der Null trotzdem den vollen Verlust ab. Was ich bei jedem neuen Tisch zuerst lese, ist daher der Abschnitt zur Null in den Spielregeln, die im Live Casino und bei RNG-Roulette (per Zufallsgenerator ausgespielt) über das Info-Symbol erreichbar sind.
Auch die angegebene Auszahlungsquote verdient einen zweiten Blick: 97,30 % passt zum europäischen Kessel ohne Sonderregel, 98,65 % nur zu einfachen Chancen mit La Partage oder En Prison.
Wer einfache Chancen beim Umsetzen eines Bonus (wagering) einsetzen will, findet die Bedingungen dazu in den Bonusbedingungen des jeweiligen Casinos. Viele Anbieter schließen gleichzeitiges Setzen auf Rot und Schwarz ausdrücklich aus oder rechnen Roulette nur anteilig an, einen einheitlichen Standard gibt es dafür nicht.
Womit der Begriff oft verwechselt wird
Das häufigste Missverständnis steckt im Wort selbst. „Einfach“ meint die Struktur der Wette, eine von zwei Seiten, und keine faire Münzwurf-Chance von 50 zu 50.
Ebenso verbreitet ist die Annahme, nach einer Serie von Rot sei Schwarz „fällig“. Jeder Dreh ist vom vorherigen unabhängig, die Wahrscheinlichkeit bleibt bei 18/37, egal was die Anzeige der letzten Zahlen zeigt.
Progressionssysteme wie Martingale (Verdoppeln nach jedem Verlust) werden fast immer auf einfachen Chancen gespielt, weil die 1:1-Auszahlung die Rechnung bequem macht. Am Hausvorteil ändern sie nichts, sie verschieben nur das Risiko in seltene, dafür sehr teure Verlustserien, die schnell an das Tischlimit stoßen. Wenn ein Anbieter so ein System als Strategie mit hoher Trefferquote bewirbt, ist die Trefferquote zwar richtig, der Schluss daraus aber falsch.
Bleibt die Verwechslung mit „Even Money“ beim Blackjack, das mit Roulette nichts zu tun hat.
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