Virtuelle Sportwetten erklärt
Virtuelle Sportwetten sind Wetten auf computergenerierte Sportereignisse, deren Ergebnis ein Zufallsgenerator (RNG, Random Number Generator) festlegt und nicht der Verlauf eines echten Spiels. Die Animation, die Sie am Bildschirm sehen, zeigt nur, was die Software vorher bereits entschieden hat. Ein virtuelles Match oder Rennen dauert wenige Minuten, danach beginnt sofort das nächste. Für die Einschätzung zählt deshalb nicht die Form der Teams, sondern die Marge, die der Anbieter in seine Quoten einrechnet.

Wie Quote und Auszahlungsquote entstehen
Jeder Teilnehmer eines virtuellen Events erhält in der Software eine Gewichtung, also eine feste Gewinnwahrscheinlichkeit. Die angezeigte Quote leitet sich aus dieser Wahrscheinlichkeit ab, allerdings mit einem Aufschlag (Overround, die über alle Ausgänge eines Marktes summierte Buchmacher-Marge).
Daraus ergibt sich die theoretische Auszahlungsquote: RTP = 1 / (1 + Overround). Anders als bei einer echten Sportwette lässt sich dieser Wert hier exakt berechnen, weil die Wahrscheinlichkeiten im Programm feststehen und niemand sie schätzen muss.
Rechenbeispiel mit veröffentlichten Werten
Der britische Buchmacher Betfred legt seine Margen pro virtueller Sportart offen. Für Virtual Football nennt er im Hauptmarkt einen Overround von 11 %, was rechnerisch eine Auszahlungsquote von rund 90,1 % ergibt. Bei den virtuellen Pferderennen wächst die Marge mit der Starterzahl, von 16 % bei acht Pferden bis 25 % bei fünfzehn. Die Auszahlungsquote sinkt im selben Zug von etwa 86,2 % auf 80 %. Wer zwei Tipps kombiniert, multipliziert die Margen, und aus zweimal 11 % wird eine theoretische Rückzahlung von nur noch etwa 81,2 %.
Diese Werte gelten für genau diesen Anbieter und seine Produktversion, nicht für den Markt.
Betfred hält selbst fest, dass bei Abweichungen die im Spiel angezeigte RTP Vorrang hat. Andere Betreiber setzen eigene Margen, viele veröffentlichen überhaupt keine. Was ich zuerst prüfe, ist daher, ob für die virtuellen Produkte irgendwo eine RTP-Tabelle steht; fehlt sie, bleibt jede Auszahlungsquote unbestätigt, so realistisch die Grafik auch wirkt.
Wo Ihnen virtuelle Sportwetten begegnen
Bei Online-Buchmachern liegen virtuelle Sportwetten meist in einem eigenen Menüpunkt, manchmal auch in der Casino-Lobby, weil der Ausgang auf Zufall beruht. Typisch sind Fußball, Pferde- und Hunderennen, Motorsport und Tennis; je nach Anbieter kommen Darts, Radrennen oder Boxen dazu.
Die Betreiber entwickeln diese Inhalte selten selbst.
Sie binden spezialisierte Studios wie Kiron Interactive oder Inspired ein, die den Zufallsgenerator betreiben, die Animation rendern und die Quoten liefern. Kiron gibt für seine Events einen Takt von zwei bis fünf Minuten an. Genau dieses Tempo unterscheidet das Produkt von der klassischen Wette, denn in einer Viertelstunde sind schnell mehrere Einsätze platziert, ohne dass es sich so anfühlt.
Am Handy läuft die Darstellung als Video oder HTML5-Grafik im Browser oder in der App. Hängt sie im mobilen Netz hinterher, ändert das am Ergebnis nichts, weil es feststeht, bevor die Grafik startet. Ich bemerke oft, dass Leser die Zahl der angebotenen Ligen für Qualität halten. Zwanzig virtuelle Ligen mit derselben Marge sind aber bloß zwanzig Verpackungen desselben Zufallsprodukts.
Abgrenzung zu echten Sportwetten und E-Sport
Am häufigsten werden virtuelle Sportwetten mit E-Sport-Wetten verwechselt. Beim E-Sport treten reale Spieler in Computerspielen gegeneinander an und ihr Können entscheidet, während es bei virtuellen Sportwetten niemanden gibt, dessen Leistung Sie einschätzen könnten.
In Österreich hat diese Unterscheidung rechtliche Folgen. Der Verwaltungsgerichtshof hat 2015 in der Entscheidung Ro 2015/16/0019 festgehalten, dass Wetten auf virtuelle Hunde- und Pferderennen keine Sportwetten, sondern Glücksspiel im Sinne des Glücksspielgesetzes sind. Begründet wurde das damit, dass ein Zufallsgenerator die entscheidenden Parameter festlegt und Wettende deshalb weniger erfolgsrelevante Faktoren kennen als bei realen Veranstaltungen. Echte Sportwetten regeln dagegen die Landesgesetze der Bundesländer, und auch bei den Abgaben macht die Einordnung einen deutlichen Unterschied.
Ein virtuelles Fußballspiel steht damit rechtlich wie mathematisch näher am Slot als am Bundesligatipp.
Die Tabellen und Formkurven, die manche Anbieter neben virtuellen Teams einblenden, ändern daran wenig. Ob sie überhaupt in die Gewichtung einfließen, legen die Studios selten offen, und einen Wissensvorsprung wie beim echten Sport verschaffen sie Ihnen nicht.
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