Verluste hinterherjagen (Chasing)

Sabrina Ebner-Kovačević
Zuletzt aktualisiert am 21. August 2026, 14:20
  • Sicherheit
  • Strategie

Verluste hinterherjagen, englisch Chasing, heißt: Sie spielen nach einem Verlust weiter oder erhöhen den Einsatz, um das verlorene Geld zurückzugewinnen. Der Gedanke dahinter klingt logisch, weil eine Glückssträhne ja irgendwann kommen müsse. Rechnerisch kommt sie nicht, denn jede Runde ist vom Ergebnis der vorigen unabhängig, und der Hausvorteil bleibt bei jedem Einsatz gleich. Wer nachjagt, vergrößert deshalb meist genau den Betrag, den er eigentlich ausgleichen wollte.

Verluste hinterherjagen (Chasing)

Chasing als Kriterium der Glücksspielstörung

Im DSM-5, dem Diagnosehandbuch der amerikanischen Psychiatrie, ist Chasing eines von neun Kriterien der Glücksspielstörung: Man kehrt nach Verlusten oft an einem anderen Tag zurück, um sie auszugleichen.

Für eine Diagnose müssen mindestens vier Kriterien innerhalb von zwölf Monaten zutreffen, und diese Einschätzung gehört in eine Beratungsstelle, nicht in einen Selbsttest.

Ein einzelner Abend reicht dafür nicht.

Rechenbeispiel: Einsatz verdoppeln nach Verlust

Die Tabelle zeigt die häufigste Form des Nachjagens, das Verdoppeln nach jedem Verlust bei einer 1:1-Wette mit 10 € Grundeinsatz. Nach n Verlusten beträgt der Gesamtverlust 10 € × (2n – 1), der nächste Einsatz 10 € × 2n.

Verluste in FolgeLetzter EinsatzVerlust gesamtNächster EinsatzNetto bei Treffer
110 €10 €20 €+10 €
220 €30 €40 €+10 €
5160 €310 €320 €+10 €
7640 €1.270 €1.280 €+10 €

Abgrenzung zu Martingale und Tilt

Das Martingale-System verkauft genau dieses Verdoppeln als Strategie, scheitert aber am Tischlimit oder am eigenen Kapital, oft lange bevor der erhoffte Treffer kommt. Beim Roulette verschiebt zusätzlich die Null die Chance einer 1:1-Wette unter fünfzig Prozent, sodass auch eine lange Serie keinen Ausgleich verspricht.

Tilt beschreibt dagegen den emotionalen Zustand nach einer Niederlage, in dem man unüberlegt und schneller spielt.

Chasing ist das Verhalten, das aus beidem entstehen kann.

Werkzeuge gegen das Nachjagen

Setzen Sie ein Einzahlungslimit vor dem Spiel, nicht danach. Wie schnell ein Anbieter eine Erhöhung freischaltet, regelt jeder in seinen Bedingungen unterschiedlich, und genau dort versagt der Schutz: Ein Limit gilt nur beim jeweiligen Anbieter, ein zweites Konto anderswo kennt es nicht. Wer das bei sich bemerkt, ist mit einer Spielpause oder Selbstsperre beim Anbieter besser bedient als mit einem höheren Limit.

Kostenlose Beratung bietet die Spielsuchthilfe Wien unter 01/544 13 57, die Glücksspiel-Hotline des AKH Wien unter 0800 20 52 42.

Neueste Ratgeber

0 %
0
0